Autoren: Dennis Speth / Sascha Christmann
Borussia Dortmund schwächelt in der Liga und belegt dort nur Platz 10. In der Champions League hingegen zeigt die Mannschaft – abgesehen von wenigen Ausrutschern – eine überzeugende Leistung und
steht im Achtelfinale gegen LOSC Lille. Das erklärte Ziel: der Einzug ins Viertelfinale.
Voller Hoffnung, aber mit wenig Zuversicht, dass die Borussen das Rückspiel gegen Lille (Hinspiel in Dortmund: 1:1) gewinnen würden, machten wir uns auf den langen Weg nach Nordfrankreich – mit
einem 9er-Bus, diversen PKWs und der Bahn.
Die erste Truppe traf bereits am Vormittag in Lille ein und startete den Tag mit einem Café am Grand Place. Es blieb ausreichend Zeit für einen entspannten Stadtbummel sowie die obligatorische
Portion Moules-Frites zum Mittagessen. Danach folgten einige architektonische Highlights. Gegen Nachmittag färbte sich die Innenstadt zunehmend schwarz-gelb, und die Gastronomen hatten Mühe, den
unbändigen Bierdurst der Dortmunder Fans zu stillen.
Am späten Nachmittag machten wir uns auf den Weg zum Stade Pierre-Mauroy, der Spielstätte des LOSC Lille. Die Bierstände rund um den Gästebereich waren bereits früh in Dortmunder Hand.
Die Kameraden aus dem 9er-Bus erreichten Lille erst am späten Nachmittag und hatten sich unweit des Stadions in einer günstigen Unterkunft eingemietet. Gegenüber befand sich eine Brasserie, in
der sie sich vor dem Spiel mit einem leckeren Bière Blonde und lokalen Spirituosen stärkten. Nicht ganz pünktlich zur Stadionöffnung erreichten wir nach wenigen Minuten Fußweg das Stadion.
Auf dem Weg dorthin versuchten sich einige Lille-Fans über uns und den schwächelnden BVB lustig zu machen und riefen „Easy win!“ – doch wir würden ja noch sehen, für wen es ein leichter Sieg
werden würde.
Vor dem Gästesektor fand die erste Kontrolle statt, die zweite im Stadion – beide verliefen entspannt und problemlos. So schafften es auch alle Aufkleber ins Stadion. Im Block trafen wir weitere
Südwest-Supporters, die mit dem PKW angereist waren und am Stadion parkten. Zwar gab es nur alkoholreduziertes Bier zu hohen Preisen, doch das hielt uns nicht davon ab, es in nicht geringer Menge
zu konsumieren.
Der ausverkaufte Gästeblock füllte sich schnell mit den angereisten Dortmund-Fans, die ihren Verein von Beginn an lautstark unterstützten. Lilles Heimkurve präsentierte eine hübsche Choreo in
Rot-Weiß.
Das Spiel
Die erste Halbzeit begann denkbar schlecht für den BVB. Bereits in der 5. Minute verlor Karim Adeyemi fahrlässig den Ball und leitete damit einen Konter des Gegners ein. Lilles Topstürmer
Jonathan David kam zum Abschluss – sein Schuss war eigentlich schwach, doch Gregor Kobel sah bei dieser Aktion nicht gut aus und ließ den Kullerball unglücklich durch die Hände ins Tor
gleiten.
Nach dem frühen 1:0 steigerte sich Dortmund und erhöhte den Druck auf die „Doggen“ aus Lille. Bereits in der 17. Minute hatte Pascal Groß die erste Chance auf den Ausgleich. In der 19. Minute
scheiterte der BVB gleich dreimal aus kürzester Distanz – es fehlte das Quäntchen Glück.
Anders als im Hinspiel kam der BVB stark aus der Kabine und hatte nun das Glück, das in der ersten Hälfte gefehlt hatte. Nach einer leichten Berührung des Ex-Dortmunders Thomas Meunier an
Guirassy gab es einen Elfmeter, den Kapitän Emre Can souverän zum 1:1-Ausgleich verwandelte (54.).
Im weiteren Verlauf wurde Lille wieder stärker, doch Kobel glänzte mit einer hervorragenden Parade. Dortmund blieb jedoch gefährlich und erspielte sich hochkarätige Chancen. In der 64. Minute war
es schließlich Beier, der den Ball eiskalt ins lange Eck schoss – Dortmund führte, und plötzlich war das Viertelfinale zum Greifen nah.
In der Schlussphase erhöhte Lille den Druck erheblich, während Dortmund wieder etwas nachlässig wurde. Doch der BVB rettete den insgesamt verdienten 2:1-Sieg über die Zeit.
Gegen Ende des Spiels ließ der Support etwas nach – einige Borussen waren bereits damit beschäftigt, günstige Flüge nach Barcelona zu buchen.
Nach dem Spiel
Nach dem Spiel ging es über einen kleinen Umweg zurück ins Hotel. Die Staatsmacht war zwar in Vollmontur präsent, aber komplett entspannt und keinesfalls auf Eskalation aus. Zur Deeskalation gab
es eine strikte Fantrennung im Stadionumfeld. Nach der Blocksperre waren ohnehin kaum noch Lille-Fans vor Ort.
In einem umliegenden amerikanischen Schnellrestaurant wurden noch ein paar Hähnchenteile verspeist, ehe es für einige von uns in die Brasserie zurückging, um dort die späten
Champions-League-Spiele zu verfolgen. Nach dem Elfmeterschießen des Madrid-Derbys bekamen wir vom Wirt den freundlichen Hinweis, dass er Feierabend machen wollte. Wer von uns noch nicht genug
hatte, holte sich ein Bier aus dem Buskofferraum, während der Rest sich schlafen legte – am nächsten Morgen ging es früh zurück nach Hause.
Sightseeing fiel leider aus, da ein Mitglied unserer Busbesatzung am Nachmittag einen nicht aufschiebbaren Friseurtermin hatte. Immerhin deckten wir uns vor der Heimfahrt bei einem Bäcker mit
französischen Spezialitäten wie Croissants, Pain au Chocolat und Quiche ein – so nahmen wir wenigstens ein bisschen Kultur mit.
Ausblick aufs Viertelfinale
Im Viertelfinale treffen wir nun auf Hansi Flick, der wie wir aus dem Südwesten kommt. Der Trainer der Katalanen ist eng mit unserer Region verwurzelt und war der erste namhafte, erfolgreiche
Trainer eines aktuellen Bundesligisten aus Sinsheim.
Ob Barcelona oder Lissabon – Hauptsache Halbfinale! International? Können wir!
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